Tragetuch

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Das Tragen eines Babys ist die wohl älteste und einfachste Form, ein Baby zu transportieren und ist ein Phänomen, dass in allen Ländern und Kulturen vertreten ist. Schon Rembrandt zeichnete ein Bild, auf dem eine Mutter ihr Kind auf dem Rücken trägt. Das Tragen lässt die Kinder die Wärme und Geborgenheit der Mutter spüren und ist damit für das Baby auch die angenehmste Art und Weise, von einem Ort zum Anderen gebracht zu werden.

Was versteht man unter einem Tragetuch?

Meist bestehen die Tücher aus einem festen gewebten oder elastischem Material. Es gibt sie in verschiedenen Längen, wobei ein 5m langes Tuch der Standard sind. Das Tragetuch wird mit einer speziellen Technik um den Träger und das Kind gewickelt. Elastischere Tücher werden häufig für Neugeborene verwendet, da diese sich besonders gut an die Formen des kleinen Körpers anpassen. Der Nachteil ist jedoch, dass nicht alle Wickeltechniken angewandt werden können. Für größere und ältere Kinder sollte ein fest gewebtes Tragetuch verwendet werden um die nötige Stabilität zu gewährleisten.

Tragetuch – Ja oder Nein?

Diese Frage stellen sich heutzutage vermutlich alle Elternpaare, wenn sie ein Kind erwarten oder frisch gebackene Eltern geworden sind. Fragt man Kinderärzte und Hebammen, so bekommt das Tragen ein eindeutiges „Ja“. Der Mensch ist von Natur aus ein Tragling und vor allem in den ersten Lebensmonaten ist der enge Körperkontakt von besonders großer Wichtigkeit. Die Babys spüren das Schaukeln und den Herzschlag der Mutter. Diese beiden Faktoren sind die Vertrautesten für Neugeborene, da sie diese schon vom Mutterleib her kennen. Das Tragen in einem Tragetuch ist also nichts anderes als das Weiterführen des Gewohnten. Außerdem hat die Mutter oder der Vater beide Hände frei und ist dadurch flexibler. Besonders unruhige Kinder fühlen sich durch die Wärme der Mutter und die permanente Nähe sicher und geborgen und werden ruhiger. Wichtig ist es jedoch, dass man eine positive Einstellung gegenüber dem Tragen hat. Denn Kinder spüren es, wenn Mama oder Papa nicht hinter ihrem Vorhaben stehen und es kann zu einer Ablehnung des Tragetuch kommen.

Tragetuch Arten

Wie bereits erwähnt, unterscheidet man zwischen elastischen und gewebten Tüchern.
Die gewebten und damit auch festeren Tragetücher werden mit einer speziellen Kreuzkörperbindung gewebt. Dadurch kann man es in beide Diagonalrichtungen dehnen. Trotz des festeren Zustands, passt sich das Tuch den Körperformen des Kindes an und eignet sich besonders für größere und schwerere Kinder. Auch die Haltung der Mutter wird durch das Tuch unterstützt. Farbenfrohe Designs oder eingearbeitete Motive sorgen für einen echten Hingucker.

Die elastischen Tücher sind die von den Eltern häufiger Benutzten. Um mit ihnen jedoch eine sichere Stabilität zu erreichen, sollte man ein längeres Tuch wählen, da dieses mehrfach um den Körper gebunden werden muss. Um die Sicherheit zu gewährleisten, gibt es bei den elastischen Tüchern die Vorschrift, dass eine 1,75m große Person mit einer Konfektionsgröße von 38/40 auf jeden Fall ein Tuch mit einer Länge von mindestens 4,6m verwenden muss. Für Eltern, die eine etwas kräftigere Statur haben, sollte das Tuch eine Länge von mindestens 5,4m haben um die dreilagige Bindetechnik auch anwenden zu können. Das Didymos Tragetuch gibt es zum Beispiel in vielen verschiedenen Größen und ist eines der Tücher, die im preislichen Mittelfeld liegen. Eine weitere gute Wahl ist das Tragetuch von Hoppediz, welches auch in verschiedenen Längen erhältlich ist und zwischen 50 und 70EUR kostet. Ein weiterer Vorteil der elastischen Tragetücher, ist die Flexibilität bei den verschiedenen Bindetechniken. Bevor man sich für ein Tuch entscheidet, sollte man sich am besten ausgiebig fachkundig beraten lassen und verschiedene Tücher testen.

Vorteile eines Tragetuchs

Das Tragen der Kinder am Mutterleib wird schon seit Jahrhunderten praktiziert und schenkt den Babys das vertraute Gefühl der Nähe und Wärme, das sie bereits seit 9 Monaten im Bauch der Mama kennen. Tragebabys wachsen gesünder und glücklicher auf, als Kinder, die größtenteils allein in ihrem Bettchen oder einer Wiege lagen. Auch das Erledigen der Hausarbeit oder anderer Tätigkeiten ist mit einem Tragetuch möglich, da das Elternteil beide Hände frei hat. Beim Spazieren gehen ermöglicht das Tragen bei der Wahl der Strecke mehr Möglichkeiten, da nicht auf Unebenheiten oder mit dem Kinderwagen nicht passierbare Stellen geachtet werden muss. Betrachtet man einmal den gesundheitlichen Aspekt, so spricht auch alles Für das Tragen. Durch die spezielle Bindetechnik wird der Rücken des Trägers entlastet. Bei den Babys wird die Halsmuskulatur gestärkt und durch die Anhock-Spreiz-Stellung zusätzlich die Hüfte entlastet. Weitere Vorteile sind die geringeren Anschaffungskosten im Vergleich zum Kinderwagen und die größere Flexibilität in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen. Weiterhin lässt sich das Tragetuch leicht und schnell in einer Tasche verstauen.

Nachteile eines Tragetuchs

Leider gibt es auch einige Nachteile, die erwähnt werden müssen. Wird ein Kind zu lang und zu oft getragen, besteht die Gefahr, dass es zu wenige Bewegungsmöglichkeiten für das Baby gibt. Deshalb sollten Eltern ihre Traglinge möglichst oft auf den Rücken legen, damit es Beine und Arme frei bewegen kann. Weiterhin sollte man beachten, dass besonders Säuglinge ihren Kopf noch nicht allein halten können. Daher ist es besonders wichtig, den Kopf gut zu stützen und sorgfältig mit dem Tragetuch zu stabilisieren. Dies erfordert jedoch nicht selten die Hilfe einer Zweiten Person. Werden die Kinder mit zunehmendem Alter schwerer, ist das Tragen für das Elternteil nicht mehr so angenehm. Es kann zu Schmerzen kommen und auch das Kind fühlt sich nicht mehr wohl, wenn es zu lang im Tuch sitzt. Hier empfiehlt es sich, auf einen Kinderwagen oder Buggy zurück zu greifen, zumindest gelegentlich. Im Sommer bei hohen Temperaturen ist das Tragetuch, vor allem die festeren Varianten, für Träger und Baby oftmals sehr unangenehm, da sich die Hitze darunter staut und es beiden Beteiligten zu warm wird. Im Winter muss hingegen darauf geachtet werden, dass man den Oberkörper nicht zu warm einpackt, die Füße und Beine hingegen gut gegen die Kälte schützt, denn diese sind den Temperaturen schutzlos ausgesetzt. Der obere Teil des Körpers wird vom Oberkörper der Mutter gewärmt.

Was sollte man beim Kauf eines Tragetuchs beachten?

Da es unterschiedliche Größen gibt, sollte man sich vorab darüber im Klaren sein, mit welcher Art von Tuch man Tragen möchte. Verfügt ein Hersteller nur über eine Standardlänge, sollte man auf einen anderen Hersteller ausweichen. Denn die Länge ist abhängig von Körpergröße und Statur. Die Oberfläche des Materials darf weder zu rau, da es sich sonst schwer binden lässt, aber auch nicht zu glatt sein, da die Knoten sonst aufgehen könnten. Weiterhin ist es auch wichtig, dass das Tragetuch an keiner Stelle unangenehm drückt oder einschneidet. Um die Gesundheit des Babys nicht zu gefährden, sollte ein Tuch ausgewählt werden, welches schadstofffrei ist. Viele Hersteller nähe sogenannte Mittelmarkierungen mit ein. Diese ermöglichen beim Binden die richtige Position zu finden. Nachdem man sich für ein Tuch entschieden hat, sollte man sich die verschiedenen und richtigen Bindetechniken von einem Profi zeigen lassen. Vor dem ersten Gebrauch ist es von Vorteil, dass Tragetuch einige Male zu waschen, da es mit jedem Waschgang griffiger wird, was das Binden erleichtert.

Die richtige Haltung beim Baby

Um mögliche Schäden und gesundheitliche Gefahren zu vermeiden, ist es wichtig, dass das Kind richtig im Tragetuch sitzt. Das Becken muss dabei gerundet und das Baby in der sogenannten Anhock-Spreizstellung sein. Dabei sind die Beine gespreizt und die Knie befindet sich in der Höhe des Nabels. Diese Haltung bewirkt, dass die Hüfte sich in der optimalen Position befindet und gut nachreifen kann. Stehen die Füßchen nach hinten, ist dies ein Zeichen, dass sich das Kind im Hohlkreuz befindet. Dies gilt es zu vermeiden. Weiterhin muss darauf geachtet werden, dass die Wirbelsäule nicht überstreift wird, da sonst das Köpfchen nach hinten kippt.

Fazit

Das Tragetuch bietet Eltern eine gute Alternative für den Kinderwagen. Richtig angewendet gibt es für die Kleinen nichts besseres, als am warmen Körper von Mama oder Papa getragen zu werden und ihm so die Möglichkeit zu geben, eine innige Verbindung und Urvertrauen aufzubauen. Es sollte, wenn möglich, den Kinderwagen nicht komplett ersetzen aber das Tragetuch darf ein wichtiges Utensil in jeder Familie werden.

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